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  • Alexander Knebel

Scheveningen: Sonnenschutzglas an einem Gebäude im niederländischen Scheveningen. Bildquelle: Pilkington Deutschland AG
Scheveningen: Sonnenschutzglas an einem Gebäude im niederländischen Scheveningen. Bildquelle: Pilkington Deutschland AG

Troisdorf. Glas ist ein Hightech-Produkt mit Tradition. Seit der Erfindung seiner Vorläufer aus Quarz und Bergkristall im Mittelalter begleiten uns die transparenten Scheiben. Gefertigt werden sie aus Siliciumdioxid, vereinfacht gesagt Sand, als wichtigstem Rohstoff. Eine zentrale technologische Neuerung: Beschichtungen von Glas, die aktuellen Bedürfnissen an Wärmedämmung, Sonnenschutz und Komfort entgegenkommen. Wie solche Beschichtungen funktionieren und welche Bedeutung sie in Zeiten der Energiewende haben, erklärt der Bundesverband Flachglas (BF). Sei es Eigenheim, Mehrfamilienhaus oder Gewerbeimmobilie: Glas sorgt für natürliches Tageslicht und Ausblick und ist damit quasi Lebenselixier für die Menschen. Damit es aktuellen Ansprüchen sowohl an Wärmedämmung wie auch an Nutzerfreundlichkeit und Ressourcenschonung gerecht wird, kommen Beschichtungen ins Spiel. „Durch Beschichtungen lassen sich die Oberflächeneigenschaften des stabilen aber eben auch spröden Materials hervorragend auf moderne Anforderungen einstellen, z.B. als Wärmedämm- oder Sonnenschutzglas“, erklärt BF-Geschäftsführer Jochen Grönegräs.


Wärmedämmglas an einem Gebäude im dänischen Esbjerg. Bildquelle: Pilkington Deutschland AG
Wärmedämmglas an einem Gebäude im dänischen Esbjerg. Bildquelle: Pilkington Deutschland AG

Für solche Wärmedämmfenster wird mindestens eine Scheibe mit einer unsichtbaren Schicht aus Edelmetallen oder Metalloxiden ausgestattet. Das kann im sogenannten Online-Verfahren während der Glaserzeugung geschehen, indem ein Gasgemisch auf die ca. 600 Grad heiße Glasoberfläche aufgebracht wird, um dort zu Metalloxid zu reagieren. Alternativ und heute weit verbreitet kann die Beschichtung auch nach der eigentlichen Glaserzeugung im sogenannten Offline-Verfahren erfolgen, indem ein Edelmetall, z.B. Silber, hochdünn in Atomlagen auf die Glasoberfläche aufgebracht wird. Ob Online- oder Offline-Verfahren: Die Beschichtung sorgt dafür, dass das Gros der Wärmestrahlung in den Raum zurück reflektiert wird – im Prinzip wie bei einer Thermoskanne mit einem silberbeschichteten Glaskolben. So hält sich die wertvolle Heizenergie lange im Raum. Aufgebracht werden die Beschichtungen in der Regel auf den zum Scheibenzwischenraum gerichteten Oberflächen der Scheiben des Isolierglases. Denn moderne Fenster haben Drei- oder zumindest Zweifachverglasung. Die Beschichtung kann daher im Scheibenzwischenraum z.B. beim Putzen keinen Schaden nehmen. Neben der Beschichtung sorgen im Scheibenzwischenraum zudem Edelgase – meist Argon – für eine hervorragende Wärmeisolierung. Sonnenschutzglas

Kombinieren lässt sich die Wärmedämmung in modernem Fensterglas mit einem Sonnenschutz. Eine Sonnenschutzbeschichtung wird in der Regel auf der Außenscheibe positioniert. Die Beschichtung soll möglichst viel Sonnenenergie vom Eindringen in den Innenraum abhalten, aber gleichzeitig möglichst viel Tageslicht hindurchlassen und den Ausblick nicht beeinträchtigen. Beschichtete Sonnenschutzgläser schaffen das und sind damit deutlich leistungsfähiger als dunkle, in der Masse eingefärbte (getönte) Gläser, denn die Beschichtung wirkt selektiv: Infrarotstrahlung wird reflektiert, während sichtbares Licht durchgelassen wird. Sonnenschutzgläser sind insbesondere für die Verglasung von Bürogebäuden sehr beliebt. Aber auch in den eigenen vier Wänden können diese sehr sinnvoll sein, gerade auch für große Fenster, bodentiefe Fenster oder Dachfenster, die besonders viel Licht hereinlassen. Selbstreinigendes Glas

Selbstreinigendes Glas an einem Gebäude in Hamburg. Bildquelle: Pilkington Deutschland AG
Selbstreinigendes Glas an einem Gebäude in Hamburg. Bildquelle: Pilkington Deutschland AG

Einen großen Mehrwert bieten Beschichtungen auch wenn es darum geht, attraktive Zusatzfunktionen für besseres Arbeiten und mehr Komfort umzusetzen. Eine Beschichtung aus Titandioxid auf der bewitterten Außenseite wirkt wie ein Katalysator. „Durch die Sonneneinstrahlung wird auf der Oberfläche eine chemische Reaktion ausgelöst, die Verschmutzungen löst“, erläutert BF-Geschäftsführer Grönegräs. Zudem besitzt diese Oberfläche eine hydrophile, also Wasser anziehende, Eigenschaft, sodass Regenwasser auf der Scheibe einen Film bildet, der den gelösten Schmutz und Fremdkörper einfach wegspült. Diese Beschichtung wird im Online-Verfahren aufgebracht und ist dadurch unlösbar mit dem Glas verbunden. Grönegräs ergänzt: „Mit Beschichtungen lassen sich die Oberflächeneigenschaften optimal auf heutige Bedürfnisse ausrichten.“ Für den Glasexperten sind moderne Beschichtungen für die Fassade ein Beispiel dafür, wie sich die Industrie den stetig steigenden Anforderungen an Klimaschutz und Komfort in Wohn- und Gewerbeimmobilien stellt. „Die Produktion von Glas einschließlich seiner Beschichtung ist ein anspruchsvoller und energieintensiver Prozess. Für die Zukunft des Wohnens und Arbeitens in Deutschland ist Glas ein zentrales Produkt“, betont Grönegräs.

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